In diesem Teil geht es um die 'Werkzeuge' zur Kartenerstellung. Ich bevorzuge, wo es geht, Free- oder Shareware-Programme und davon gibt es manchmal mehr und bessere, als man auf den ersten Blick vermutet. Die Kartenerstellung läuft in drei Schritten ab, nämlich im Erfassen der Gewässerumrisse und Tiefenlinien, im Nach- oder Weiterbearbeiten bzw. konvertieren und letztlich im Berechnen und umwandeln in das Format, welches dann der Kartenplotter lesen kann.
Für die Erstellung von Umrisslinien eines Gewässers bieten sich zum einen ein GPS an, mit dem man die Umrisslinien in Natura nachfährt oder nachgeht. Dies kommt vor allem bei kleinen Gewässern in Frage. Die inzwischen wohl gebräuchlichste Art hierzu wird aber sein, die Umrisslinie des Gewässers mit Google Earth nachzuzeichnen.
Google Earth speichert diese gezeichneten Pfade als Aneinanderreihung einzelner Geokoordinaten im Format *.kml oder *.kmz ab, wobei *.kmz nur die gezippte Form dazu ist und mit einem Komprimierungsprogramm geöffnet werden kann. Google Earth ist in der völlig ausreichenden Grundform Freeware.
Als nächstes braucht man - zumindest irgendwann - ein Programm, welches diese Pfade in ein anderes der vielen gebräuchlichen Formate umwandeln kann. Ich verwende dafür die Freeware Routeconverter, die es inzwischen in einer Form für 32-bit-Betriebssysteme und einer für 64-bit-Betriebssysteme gibt. Route-Converter kann eine Vielzahl von Formaten konvertieren, daneben aber auch einzelne Dateien zu einer größeren zusammenfügen und auch Routen grafisch auf verschiedenen Karten oder Luftbildaufnahmen anzeigen, diese Routen umkehren und noch einiges mehr. Seltsamer Weise läuft bei mir auf einem 64-bit Windows 7 die Version für 64-bit nicht fehlerfrei, was sich darin äußerte, dass eine Kartenanzeige nicht möglich war. Die 32-bit-Version läuft fehlerfrei (obwohl es lt. Beschreibung genau umgekehrt sein müsste). Routeconverter muss nicht installiert werden. Das Programm einfach auf dem Desktop oder einem beliebigen Verzeichnis ablegen und von dort aus starten ...
Wenn man diese beiden Programme auf seinem Rechner hat, so ist man für die Vorarbeiten bereits gerüstet. Eigentlich könnte man sogar mit Routeconverter die Gewässerumrisse zeichnen, aber mit Google Earth geht dies viel komfortabler. Weiter geht es dann mit dem eigentlichen Erstellen des Kartenmateriales.
Als eines der möglichen Programme hierzu gibt es DrDepth. Dieses Programm gibt es als Demo, die aber lediglich zum Ansehen des Programmes brauchbar ist. Fast alle benötigten Funktionen sind in der Demoversion nicht verfügbar. Das Programm ist
nach einer Einarbeitung relativ einfach zielführend und bietet zudem die Möglichkeit, mit Lowrance & Eagle Kombigeräten erstellte Logdateien (Tiefe + GPS) einzulesen und zu einer Gewässerkarte oder am Bildschirm zu einem dreidimensionalen Bild umzuwandeln. Das Programm kostet in der ausreichenden Standardversion 99 Euro. Die Hilfedatei und Dokumentation ist sehr mager, aber es gibt im Internet eine sehr gute Anleitung von unserem Forumsmitglied Fliegenfisch. DrDepth arbeitet im Hintergrund mit dreidimensionalen Tiefenlinien (eigentlich Punkten) und kann dies auch so berechnen und in der Bildausgabe so darstellen. Für die Kartenausgabe auf den Kartenplotter ist diese Funktion aber entbehrlich und auch nutzlos.
Für einen kleinen See mit relativ großer Datendichte liefert DrDepth ein überragendes Ergebnis. Bei großen Seen wie dem 'bayerischen Meer' Chiemsee, wo die einzelnen Tiefenlinien von vorhandenen Gewässerkarten teils mehrere hundert Meter auseinander liegen, errechnet DrDepth mögliche Tiefenlinien. Dies konnte ich dem Programm bisher nicht abgewöhnen und man erhält so teils detailliert aussehende Kurven, wo eigentlich nur eine gezeichnete, gerade Linie war und auf der Karte sein sollte. Werden später die Datenmengen durch eigene Echolot-Logdateien ergänzt, ändert sich das natürlich zugunsten einer überragend genauen Karte.
Das zweite Programm, welches Routen einlesen und zusammenfügen und letztlich wieder als Vektorkarte für GPS-Geräte ausgeben kann, ist die Shareware GPSMapedit, oft auch kurz als Mapedit bezeichnet. Wer eine Karte auf seinem GPS-Kartenplotter haben will, wie er sie früher als Papierkarte, also als klassische Gewässerkarte hatte, für den ist das Programm richtig und mehr als ausreichend. Im Gegensatz zu DrDepth kann dieses Programm nachgezeichnete Tiefenlinien nicht interpolieren, also Zwischenwerte berechnen. Andererseits bekommt man auf seinem Plotter genau die Karte, die man gezeichnet hat und nicht irgend ein künstlich und bei fehlender Dateneingabe entsprechend fehlerhaft berechnetes Kartenmaterial. Auch wer sich für DrDepth als Kartografieprogramm entscheidet, sollte sich GPSMapedit zusätzlich auf seinen Rechner laden, zumal das Programm echten Mehrwert für manche Zwecke bietet und nicht installiert werden muss. Um GPSMapedit das Lowrance-Kartenformat *.lcm zu lernen, muss sich im Verzeichnis von GPSMapedit zusätzlich noch die Datei lcmBuilderDLL.dll befinden. Nur wenn diese Datei vorhanden und im selben Verzeichnis wie GPSMapedit ist, kann das Programm Karten für Lowrance und Eagle Kartenplotter im *.lcm-Format ausgeben.
Mit diesen Programmen sollte man prinzipiell eigene Gewässerkarten als Vektorkarten erstellen, ergänzen und dann in einem Format ausgeben können, welches man auf seinem Lowrance oder Eagle Kartenplotter oder GPS verwenden kann, insofern das GPS kartenfähig ist.
An dieser Stelle möchte ich den Hinweis anbringen, dass viele der Programme und bei speziellen Problemen weiterführenden Internetseiten englischsprachig sind. Wer nicht bereit ist, sich ggf. mit einem Wörterbuch oder einem Online-Übersetzer solche Seiten und die Handbücher der Programme durchzulesen, für den empfiehlt sich der dann einzig gangbare Weg, sich fertige käufliche Karten z.B. von Navionics für seinen Kartenplotter zu besorgen. Diese kosten zwar Geld, andere kosten dafür Unmengen an Zeit. Wer viel Glück hat, findet eine fertige Karte von seinem Gewässer im Internet, die er nur auf eine SD-Karte kopieren muss und ins Gerät einzustecken braucht
Als kleiner Vorgeschmack, was später mal rauskommen könnte, hier eine Gewässerkarte von einem kleinen See in meiner Gegend, der in der Basiskarte eines Lowrance HDS Echolotes gar nicht vorhanden ist. Die Größe des Sees ist ca. 600 x 200 Meter.
Screenshot Lowrance HDS 5 - Leitgeringer See
Der oben beschriebene Unterschied der Darstellung ist in den beiden Screenshots deutlich erkennbar. DrDepth berechnet aus den eingegebenen Tiefendaten die Tiefenlinien, GPSMapedit übernimmt diese unverändert (und kann auch nichts berechnen). Die Tiefenlinien beim ersten Screenshot sind nicht fertig gezeichnet, außerdem ist die Tiefenbezeichnung der Linien hier nicht richtig, aber als Beispiel sollte es so reichen.
erstellt mit GPSMapedit erstellt mit DrDepth
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Neben diesen Programmen gäbe es noch weitere hochwertige Software zur Erstellung von Karten und Geländemodellen, die allerdings mehrere hundert US Dollar kosten. Eines dieser Programme ist
Global Mapper, welches u.a. auch die Lowrance Logdaten lesen und verarbeiten kann.
Bei diesem Programm können auch vielfältige Quellen wie Open Street Map als Grundlage für eigene Karten verwendet werden. Außerdem kann man mit Global Mapper auch aus verschiedenen Datenquellen Vektor- und Rasterkarten erstellen. Rasterkarten und voraussichtlich auch Vektorkarten lassen sich in einem nächsten Schritt aus GM heraus in einem Format exportieren (Geotiff für Rasterkarten), welches dann mit einem von Lowrance zur Verfügung gestellten Tool in Kartenkacheln im fortschrittlichen AT5-Format umgewandelt werden können. Dieses Atlas5-Format ist ein hauseigenes Format von Lowarnce, welches auf den Kartenplottern der HDS-Serie und auch auf den Enduras läuft.